Erkrankungen

Chronisches Lymphödem – Operative und nicht-operative Therapie beim chronischen Lymphödem München

Wir setzen auf chirurgische Therapien beim Lymphödem. Warum?

Mehr als 30 Jahre Erfahrung von Herrn Dr. Netzer auf dem Gebiet der Behandlung von Beinen (und Armen) mit chronischen Schwellungen, haben ihn davon überzeugt, dass bestimmte chronische Fälle meistens nur noch durch chirurgische Eingriffe anhaltend erfolgreich therapiert werden können. Auch wenn die manuelle und apparative Entstauung durch Lymphdrainage und eine entsprechende Kompressionsbehandlung unverzichtbare Teile der Therapie sind: Wirklich ursächlich – und damit langfristig –  hilft in bestimmten Fällen nur die chirurgische Optimierung des Lymphabflusses sowie eine Gewebsreduktion.

Was ist ein Lymphödem?

Ein Lymphödem ist eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Gewebe, die durch eine Störung im Lymphabfluss oder eine vermehrte Bildung von Lymphe entsteht. Wenn die Lymphe nicht mehr richtig abtransportiert wird, gelangt sie ins umliegende Gewebe, welches anschwillt. Im Verlauf wird das Gewebe an den betroffenen Stellen dicker, härter und es schmerzt. Typisch sind auch Dellen, die auf Fingerdruck entstehen und sich nur sehr langsam zurückbilden.

Zu unterscheiden sind primäre und sekundäre Lymphödeme.

venendiagnostik muenchen 02 - Lymphödem

Primäre Lymphödeme sind in der Regel angeboren. Entweder sind die Lymphgefäße zu eng oder in zu geringer Anzahl vorhanden oder es liegt eine Klappenstörung vor. Ebenso zählen Fehlanlagen zu den Ursachen primärer Lymphödeme. Diese Form des Lymphödems tritt in 30 Prozent der Fälle auf und zu mehr als 90 Prozent in den Beinen.
Zu etwa 80 Prozent sind die Betroffenen – oft schon in jungen Jahren – weiblich. Bei rund der Hälfte von Ihnen sind beide Beine betroffen.

Sekundäre Lymphödeme entstehen durch Schädigungen der Lymphsystems. Sie kommen häufiger als primäre Lymphödeme vor. Meist ist die Entfernung von Lymphknoten und die Schädigung von Lymphgefäßen die Ursache für ein sekundäres Lymphödem. Durch die Entfernung und/oder Schädigung wird der natürliche Abfluss der Lymphe unterbrochen und gestört.

Ursachen für Schädigung des Lymphsystems:

  • Operationen und/oder Bestrahlungen
  • Verletzungen und Quetschungen
  • Infektionen durch Pilze, Parasiten, Insektenstiche etc.
  • bösartige Erkrankungen (z. B. Tumor)
  • Hautentzündungen (z. B. Erysipel)

Welche Symptome sind typisch für ein chronisches Lymphödem?

Kennzeichnend für ein chronisches Lymphödem sind einseitige Schwellungen. Je nach Schweregrad und Ausprägung sind folgende Anzeichen ebenfalls typisch:

  • Asymmetrische Schwellungen an den Extremitäten
  • Spannungsgefühle in dem betroffenen Bereich
  • Dellen beim Eindrücken der Haut
  • Leichte Verfärbung der Haut
  • Hautveränderungen – Haut wird zunehmend prall und glatt
  • Anfälligkeit der Haut für Entzündungen steigt
  • Abheben einer Hautfalte so gut wie nicht möglich (= positives Stemmersches Zeichen)

Wie wird ein Lymphödem therapiert?

Zu den konservativen (= nicht-operativen) Behandlungsverfahren zählen:

  • Lymphdrainage, in Form von manueller Lymphdrainage, oftmals als komplexe Ganzkörperbehandlung. Gelegentlich auch als pneumatische Lymphdrainage mit entsprechenden Heimgeräten für den Patienten zur Selbstanwendung
  • Kompressionstherapie
  • Physiotherapie
  • Bewegungsübungen
  • Hautschutz

Die konservativen, klassischen Therapieverfahren sind die unerlässliche Grundlage jeder Lymphödem-Behandlung.

Sollte die Behandlung über einen Zeitraum von mindestens 12 Monaten keine dauerhafte Reduktion der Ödeme zeigen, muss eine weitergehende Diagnostik (hochauflösender Ultraschall, Fluoreszenz-Darstellung der Lymphgefäße und der Lymphknoten) durchgeführt werden. Zeigt sich dabei ein Erkrankungsmuster, welches gute Aussichten auf Besserung durch eine Operation hat, werden wir zwei Verfahren vorschlagen:

  • die therapeutische Fettabsaugung (Liposuktion) und die
  • mikrochirurgische Lymphgefäß-Operation

Die therapeutische Liposuktion (Fettabsaugung) kann in nahezu jedem Fall von Lymphödem, eingesetzt werden: durch die dauerhafte Reduktion des Unterhautfettgewebes in der betreffenden  Region nimmt der Gewebedruck stark ab, wie auch die Schwellneigung und die Schmerzen nachlassen.

In vielen Fällen reicht allein die Liposuktion aus, um Lymphödem-Patienten beschwerdearm, oder (seltener) beschwerdefrei zu machen. Daher empfehlen wir diese, vergleichsweise sehr wenig belastende, operative Maßnahme, stets als den ersten Schritt.

Zeigt sich nach einer Fettabsaugung, wiederum mindestens 12 Monate nach der Behandlung, noch keine ausreichende Erleichterung und hat sich in der Fluoreszenz-Darstellung der Lymphgefäße eine Option zur Gefäß-OP ergeben, werden wir zu dieser raten.

Bei einem solchen Eingriff wird unter einem OP-Mikroskop an den Engpassstellen des Lymphabflusses durch den Einbau von Querverbindungen zwischen Lymphgefäßen und Venen oder durch die Verpflanzung von Lymphknoten und Lymphgefäßen aus anderen, besser versorgten Körperpartien, eine Verbesserung des Lymphstroms angestrebt.

In vielen Fällen kann eine Kostenübernahme auch durch gesetzliche Krankenkassen  erreicht werden.