Erkrankungen

Lipödem Erkrankung München

Was ist ein Lipödem?

Ein Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, die an den Beinen und/oder Armen und ausschließlich bei Frauen auftritt. Gemäß S1-Leitline zum Lipödem handelt es sich beim Lipödem um eine fortschreitende Erkrankung, bei der die Fettverteilung im Körper gestört ist. Dabei kommt es zu einer Vermehrung des Unterhautfettgewebes an den Beinen und/oder Armen, während der Oberkörper schlank, manchmal gar mager bleibt. Diese unproportionale Verteilung des Körperfetts lässt sich weder durch Sport noch durch Ernährung beeinflussen und ist nicht – wie lange Zeit angenommen –  eine Folge von Übergewicht. Unbehandelt führt das Lipödem zu immer stärkeren Beschwerden mit teilweise starker Bewegungseinschränkung im höheren Lebensalter.

Wie entsteht ein Lipödem?

Ein Lipödem entsteht durch eine lokale Vermehrung der Unterhautfettgewebes in den Beinen und Armen. Andere Körperstellen sind nur in sehr seltenen Fällen betroffen.

Die Unterhaut (Subkutis) besteht aus Binde- und Fettgewebe. Hier wird überschüssiges Fett angesammelt und gespeichert. Beim Lipödem vermehrt sich dieses Fett unverhältnismäßig stark. Dadurch bilden sich feste, knötchenhafte Strukturen, die wiederum die Durchlässigkeit der Blutgefäße behindern. Es kommt zu Wassereinlagerungen in den Fettzellen. Manchmal findet sich erschwerend noch eine Krampfadererkrankung. Verlieren die Lymphgefäße im Fortschreiten der Erkrankung zunehmend ihre wichtige Funktion des Abtransportes der Gewebsflüssigkeit, kommt es zu chronisch gestauten und schmerzhaften Beinen.

Lipoedem dr netzer muenchen 2 - Lipödem

Was sind die Ursachen eines Lipödems?

Eine Erklärung für die eigentliche Ursache eines Lipödems gibt es bislang nicht. Als gesichert gilt eine genetische Veranlagung im Zusammenhang mit einer hormonellen Störung. Bevorzugt tritt es ab dem dritten Lebensjahrzehnt und nach Schwangerschaften auf.

Welches sind typische Symptome eines Lipödems?

Das Lipödem zeichnet sich vor allem durch folgende Symptome aus (die nicht zwingend alle vorhanden sein müssen):

• unproportionale Vermehrung des Unterhautfettes an der unteren Extremität, oft bei schlankem Oberkörper
• schwere, gestaute Beine mit Schwellungen insbesondere am Abend
• berührungsempfindliche, teilweise empfindlich schmerzhafte Beine
• sehr leichte Blutergussbildung bei wirklichen Bagatellverletzungen oder heftigeren Berührungen durch ein brüchiges Kapillarsystem

Unbehandelt schreitet eine Lipödem-Erkrankung fort. Unterschieden werden vier Stadien:

Stadium I: Hautoberfläche glatt, Unterhautfett verdickt, Fettstruktur feinknotig
Stadium II: Hautoberfläche uneben, Fettstruktur grobknotig
Stadium III: Gewebe zusätzlich derber und härter, großlappig deformierende Fettlappen
Stadium IV: Zusätzlich starkes Lymphödem

Nicht berücksichtigt bei der Einteilung der Stadien ist das Auftreten von Schmerzen: Bereits im Stadium I können starke Schmerzen auftreten, die langes Stehen und Gehen unmöglich machen.

Wie wird ein Lipödem diagnostiziert?

Dieses Krankheitsbild belastet Betroffene nicht nur durch das unförmige Aussehen, sondern auch wegen der oft erheblichen Stauungsbeschwerden sehr. Da vielen Ärzten das Krankheitsbild des Lipödems nicht vertraut ist und es vielfach fälschlicherweise einer Adipositas zugeschrieben wird, erfolgt die Erstellung der Diagnose Lipödem oft erst nach vielen Jahren des Leidens. Ein erfahrener Arzt stellt die Diagnose meist mit bloßem Auge, da das Lipödem durch eine charakteristische Statur gekennzeichnet ist. Die Extremitäten (Arme und Beine) sind voluminöser und harmonieren nicht mit dem schlanken Oberkörper und den schlanken Hand- und Fußgelenken.

Unser Institut

Es gibt nach unserer Erfahrung kein Lipödem ohne Venenerkrankung, sie nimmt eine Schlüsselposition im Krankheitsmechanismus ein. Deshalb sanieren wir zuerst die kranken Venen und danach – meist nach drei Wochen – kann eine Fettabsaugung vorgenommen werden, die von der Gesellschaft für Phlebologie für eine nachhaltig erfolgreiche Behandlung empfohlen wird.

Zunächst einmal muss das Unterhautbindegewebe und Fettgewebe der Beine genau mittels Ultraschall untersucht werden und gleichzeitig müssen die inneren und oberflächlichen Venen der unteren Extremität mithilfe der Duplex-Sonografie auf ihre Funktionsfähigkeit hin untersucht werden.

Röntgenologische Lymphgefäßdarstellungen (Lymphografie oder Szintigrafie) bringen keinen Erkenntnisgewinn, der für die Therapie einen entscheidenden Nutzen brächte und können daher ebenso als verzichtbar angesehen werden, wie Computer- oder Kernspintomografie des Unterhautgewebes. Der erfahrene Arzt kann aufgrund der körperlichen Untersuchung, der Sonografie (Ultraschall) und der Krankengeschichte eine eindeutige Diagnose stellen.

Welche Behandlungen gibt es beim Lipödem?

Liegt ein Schaden an den oberflächlichen Venen im Sinne einer Krampfadererkrankung (Varikosis) vor, so sollte dieser behoben werden. Da beim Lipödem ganz besonders auf die Erhaltung aller Lymphgefäße zu achten ist, sind die von uns angewandten minimal-invasiven Katheterverfahren besonders geeignet und konventionellen Methoden, wie dem „Stripping“ den Vorzug zu geben.

Zu unterscheiden in der Lipödem-Therapie sind konventionelle und operative Verfahren.

Konventionelle Therapien zielen in der Regel darauf ab, den Wassereinlagerungen entgegenzuwirken, den Lymphfluss wieder anzukurbeln und damit die Symptome zu lindern. Zur Symptomlinderung eignen sich die Verfahren der Lymphdrainage: sowohl die manuelle Lymphdrainage als auch die sogenannte „komplexe Lymphdrainage“ und die mechanische Lymphdrainage mittels automatisch sich aufblasenden Beinmanschetten, bringen Erleichterung. Ebenso können die schmerzhaften Folgen des Lipödems durch das konsequente Tragen entsprechender Kompressionsstrümpfe oder Kompressionsstrumpfhosen gelindert werden.

All diese Maßnahmen ändern dauerhaft aber nichts am Beinumfang und an der unnatürlichen Fettmenge unter der Haut, in der sich die Lymphe sammelt. Praktisch keinen Effekt haben interessanterweise Sport und Diät. Auch medikamentös lässt ist ein Lipödem nicht behandeln. Von Entwässerungstabletten ist dringend abzuraten. Sie verschärfen das Problem. Gemäß den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie ist eine Reduktion des Unterhautfettes durch operative Maßnahmen eine sinnvolle Therapie, welche in der Lage ist, oft dauerhaft die Beschwerden zu lindern und gleichzeitig eben auch den Umfang der unförmigen Extremitäten zu reduzieren. Dies geschieht beim Lipödem durch eine gezielte Fettabsaugung mit feinen (evtl. mechanisch vibrierenden) Kanülen in der „Nass-Technik“, da hier im Vergleich zur herkömmlichen trockenen Technik praktisch keine Lymphgefäße verletzt werden. Diese Fettabsaugung beim Lymphödem erfordert einen sehr hohen Erfahrungsschatz des ausführenden Chirurgen mit der Technik der Fettabsaugung und sollte nur von Ärzten ausgeführt werden, die gleichzeitig ausreichende Kenntnisse in der Behandlung von Venenkrankheiten haben.

Die Kosten der Behandlung

Leider werden die Kosten der Behandlung der Liposuktion beim Lipödem oftmals nicht von den Versicherungen getragen. Werden gleichzeitig erkrankte Venen behandelt, so werden diese Kosten von privaten Versicherungen in der Regel voll übernommen. Durch fachlich fundierte Gutachten, auf Grundlage der Ergebnisse der technischen Diagnostik in unserem Institut, erreichen zahlreiche Patienten eine Kostenübernahme ihrer Krankenversicherung.

Bitte beachten Sie, dass ärztliche Gutachten gemäß der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) in Rechnung gestellt werden müssen. Die Gebühren belaufen sich dabei, je nach Umfang des Gutachtens, auf Beträge zwischen 100 und 400 Euro.